Es spricht der Wutprogrammierer: Die Wurschtigkeit der Agenturwelt

Ich habe für mich eigentlich den Leitsatz aufgestellt, nicht mehr für Agenturen zu arbeiten. Ich kann zusammenfassen, dass meine Erfahrungen mit Agenturen im Schnitt eher schlecht waren. In etwa: wer keine Ahnung von Internet hat, macht eine Webagentur auf. Ohne jetzt völlig Wutprogrammierer-artig vom Leder lassen zu wollen, aber das Ausmaß an Inkompetenz ist teils beachtlich. Ich erfahre lapidar in einer 2zeiligen Mail durch Zufall von einem Agenturchef, „da fällt nix mehr an, die haben gekündigt“. Davor war der Wartungsvertrag schon so aufgestellt, dass die Agentur 10 Stunden im Monat vom Kunden garantiert bezahlt bekam – ich dagegen nicht. Um schon die Antwort vorwegzunehmen, warum man sich darauf einlässt: Geld. Und wenn ich ehrlich bin: bestimmte Erfahrungen muss man erst mal gemacht haben, um hinterher zu sagen „nie wieder“. In dem Fall war das noch nicht mal besonders schlimm.

Bei einer anderen Webagentur aus dem süddeutschen Raum war ich über das Unvermögen der Projektmanager so empört, dass ich dort nach 2 Stunden abgebrochen hatte. Und sorry – wenn ich vom Firmeninhaber nachts um halb 1 eine Email bekomme, dann will ich für diesen Laden nicht arbeiten. Man kann in diesem Segment theoretisch zumindest halbwegs stressfrei arbeiten – wenn man die Arbeit gut organisiert. Wenn ich dagegen die Infos bekomme „uns ist ein Programmierer abhanden gekommen“ (ja, warum wohl nur?) und „das Projekt müsste am besten gestern fertig sein“, dann fällt mir nichts mehr dazu ein. In 5 Wochen sollte angeblich Launch von einem großen Projekt sein (da wurde ich angeschrieben), dann hörte ich 2 Wochen nichts und man wollte Details mit mir besprechen. Bei mir hört es da auf – entweder ich will eine Sache gut machen oder ich betreibe Wurschtelei auf niedrigstem Niveau mit völlig unrealistischen Deadlines.

In etwa so: Webagenturen sind parasitäre Organisationsformen, die lauwarme Luft für teuer Geld verkaufen. Und von nichts eine Ahnung haben. Erst wird das Projekt verkauft, dann wird sich irgendwann über die Umsetzung Gedanken gemacht. Und irgendein Depp wird sich schon finden, der die Drecksarbeit erledit. Aber ohne mich, meine Freunde!

Auf eine Faustregel (empirisch natürlich völliger Unfug, spiegelt aber zu 100% meine subjektiven Erfahrungen wider): Agenturen aus Hamburg sind die größten Vollpfosten. Ein besonders perfider Fall: „ja, also wir würden dir als Entwickler erst 20 Eur zahlen, dich dann im 2. Monat auf 24 Eur hochstufen und ne Wohnung würden wir dir auch besorgen, du müsstest herziehen“. Jeder weiß, dass es in Hamburg nicht ohne weiteres Wohnungen auf dem Markt gibt. Ich werde also wie ein ukrainischer Leiharbeiter bezahlt und dürfte dann vermutlich in der Penntüte unterm Schreibtisch campieren. Da gehen bei mir sämtliche verfügbaren Mittelfinger nach oben und der imaginäre Iro richtet sich steil auf. Zumal der betreffende Manager sich noch menschlich eine der allerletzten Aktionen leistete, die ich seit längerem erlebt hatte: „Wow, wir hören die gleiche Musik und ich geh ja auch ganz gerne in der Schanze aus, da ist es nicht so Schicki“. Ey fuck you, du Pfeife, das nächste Mal bring ich nen Pflasterstein mit, dann zeig ich dir mal Schanze.
Das war ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit und ich bin bis heute froh, damals direkt abgesagt zu haben. Mir fallen nur die Begriffe „Lohnsklaverei“ und „Tretmühle“ ein.

Also doch Wutprogrammierer. Ok, es spricht aber auch einiges dafür bei diesen Verhältnissen leicht stinkig zu werden. Die Geschichten von Kunden, die nicht zahlen wollen, wäre auch nochmal näher zu untersuchen. Aber das vielleicht beim nächsten Mal.

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